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I LOVE IT




In meinen Arbeiten beschäftige ich mich wiederkehrend mit der Position der
Frau in der Gesellschaft und den Spannungsfeldern zwischen Selbstbestimmung
und gesellschaftlicher Erwartung. Dieses Thema bildet nicht nur den
theoretischen Ausgangspunkt meiner künstlerischen Praxis, sondern
auch den emotionalen Kern meiner Motivation.
In der Arbeit „I love it!“ habe ich meine eigene Unzufriedenheit mit
den aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen künstlerisch
verarbeitet. Die Zunahme konservativer und rechtspopulistischer
Strömungen in Europa führt zunehmend dazu, dass überkommene
Geschlechterrollen erneut salonfähig werden. Anstatt die Gleichstellung
der Geschlechter konsequent weiterzudenken, scheint eine nostalgische
Sehnsucht nach vermeintlich „stabilen“ Familienmodellen wieder stärker
im Diskurs präsent zu sein. Diese Tendenzen empfinde ich als rückwärtsgewandt
und zugleich bedrohlich, weshalb es mir ein Anliegen war,
sie mit künstlerischen Mitteln zu kommentieren.
Die Absurdität solcher Rückwärtsbewegungen habe ich durch den
Einsatz von Ironie sichtbar gemacht. Ironie ist für mich ein produktives
Werkzeug, weil sie ein Spannungsverhältnis zwischen Nähe und
Distanz schafft: Einerseits greife ich Bilder auf, die uns kulturell vertraut
erscheinen, andererseits verfremde oder überzeichne ich sie so weit,
dass ihre Künstlichkeit offen zutage tritt. Auf diese Weise ermöglicht
mir Ironie, vertraute Bilder so zu präsentieren, dass sie irritieren, hinterfragt
werden und zum Nachdenken anregen. Die Betrachter:innen sollen
Selbstverständliches kritisch infrage stellen.
Während des Arbeitsprozesses habe ich bewusst auf persönliche Erinnerungen
zurückgegriffen, insbesondere auf Werbebilder aus meiner
Kindheit im Italien der 1990er- und frühen 2000er-Jahre.
​
Diese Darstellungen vermittelten eine ambivalente Botschaft: Die Frau
erschien einerseits modern, berufstätig und selbstbewusst, andererseits
wurde sie nach wie vor mit den klassischen Aufgaben von Erziehung,
Haushalt und Fürsorge verknüpft. Diese widersprüchliche Doppelrolle
prägte nicht nur die Gesellschaft meiner Kindheit, sondern wirkt bis
heute fort. In aktuellen politischen Debatten, aber auch in alltäglichen
medialen Repräsentationen, lässt sich diese Spannung zwischen Emanzipation
und Rückgriff auf traditionelle Rollenbilder wiederfinden.
Indem ich diese Bildwelten mit KI-generierten Szenarien verknüpfe,
greife ich sowohl auf persönliche Erinnerungen als auch auf kollektive
visuelle Narrative zurück. Die Technik der Künstlichen Intelligenz
erlaubt es mir, stereotype Darstellungen zu reproduzieren, sie jedoch
gleichzeitig in einen neuen, zeitgenössischen Kontext zu stellen. In
der Gegenüberstellung von vermeintlich „perfekten“ Hausfrauenbildern
und irritierend chaotisch erweiterten Umgebungen wird deutlich,
dass Geschlechterrollen keine naturgegebenen Wahrheiten darstellen,
sondern kulturelle Konstruktionen sind, die jederzeit verändert und neu
verhandelt werden können. Das Zusammenspiel von Vertrautem und
Künstlich-Generiertem dient mir dabei als visuelle Strategie, um die
Künstlichkeit dieser Rollenbilder zu entlarven und ihre gesellschaftliche
Beständigkeit kritisch zu beleuchten.
Darüber hinaus stellt die Arbeit auch eine Auseinandersetzung mit
meiner eigenen Biografie dar: Die Konfrontation mit Bildern meiner
Kindheit ermöglicht es mir, das Private und das Politische miteinander zu
verknüpfen. Meine persönliche Erinnerung wird zum Ausgangspunkt, um
breitere gesellschaftliche Strukturen sichtbar zu machen. Damit knüpfe
ich an feministische Kunsttraditionen an, die seit den 1970er-Jahren
die Verflechtung von privatem Erleben, Körperlichkeit und politischem
Diskurs ins Zentrum der künstlerischen Praxis gestellt haben.
2022
