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ME TIME

In der Arbeit „Me Time“ habe ich mich bewusst mit meiner eigenen

 Rolle innerhalb der beschriebenen Strukturen auseinandergesetzt.

 Obwohl ich mich theoretisch klar gegen stereotype Körperbilder und 

überzogene Schönheitsideale positioniere, bin auch ich nicht frei von 

diesen gesellschaftlichen Erwartungen. Gerade als ich entschied, mich

 selbst bei der Ausführung von Beauty-Routinen zu filmen, wurde mir

 deutlich, wie stark diese Handlungen in meinen Alltag eingeschrieben 

sind und wie selbstverständlich sie inzwischen erscheinen. Die Kamera

 wurde dabei nicht nur zu einem dokumentierenden, sondern auch zu

einem aufdeckenden Medium, das mir meine eigene Teilhabe an diesen 

Normen vor Augen führte.

 Die performative Selbstinszenierung, die durch diese Selbstbeobachtung

 entstand, hatte für mich eine ambivalente Dimension: Einerseits war sie 

ein Mittel der Selbstermächtigung, weil ich die Kontrolle über Kamera,

 Licht und Inszenierung behielt. Andererseits offenbarte sich im Prozess 

die Macht gesellschaftlicher Normen, denen ich mich selbst nicht vollständig

 entziehen kann. Diese Spannung zwischen Selbstbestimmung

 und Fremdbestimmung prägte den künstlerischen Prozess entscheidend.

 Die paradoxe Dimension von „Me Time“ wird besonders deutlich. Was in

 gesellschaftlichen Diskursen oft als „Zeit für sich selbst“ dargestellt wird,

 entpuppt sich im Alltag häufig als weiterer Pflichttermin, der primär dazu

 dient, den eigenen Körper an gesellschaftliche Normen anzupassen. Mit 

meiner Arbeit wollte ich genau diese Ambivalenz sichtbar machen und

 fragen, ob es sich hier um echte Selbstfürsorge handelt oder vielmehr

 um eine internalisierte Erwartung, die sich in der Logik von Leistung und

 Optimierung fortsetzt.

 

 

Die technische Gestaltung der Arbeit mit der kachelartigen Anordnung

 der Videos, dem irritierenden Sounddesign und der abschließenden 

Reduktion auf das „perfekte“ Schminkbild spiegelt diese innere Zerrissenheit 

wider. Sie erzeugt ein Spannungsfeld zwischen Intimität und

 Distanz, zwischen Nähe zur gezeigten Handlung und der Künstlichkeit

ihrer Inszenierung. Dieses Spannungsfeld lässt keinen einfachen Ausweg 

zu, sondern verweist darauf, dass weibliche Identität stets in gesellschaftlichen

 Aushandlungsprozessen verstrickt bleibt. 

Für mich persönlich war die Arbeit auch ein Prozess der Selbstbefragung.

 Sie hat mir vor Augen geführt, wie eng mein eigenes Leben mit

 dem Thema Care-Arbeit und Körpernormen verbunden ist nicht nur auf

theoretischer Ebene, sondern in jeder alltäglichen Handlung. Gleichzeitig

 erlaubte mir die künstlerische Übersetzung einen Schritt der Distanzierung, 

der es mir gestattete, meine Erfahrungen in einen größeren gesellschaftlichen

 Kontext zu stellen und mit anderen zu teilen.

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